Die nordischen Götter und das siebenfältige System

 Die nordischen Götter und das siebenfältige System


Laut Dunkler Tradition, bisher unveröffentlicht, sind die sieben Sphären, die den Baum des Wyrd bilden, entsprechend der Abbildung , die ebenfalls die Zuordnung der Großen Arkana gibt, mit den nordischen Göttern assoziiert.

In Begriffen moderner Psychologie – welche nur ein weiterer Mythos ist, der auf Selbst-Verständnis und Gnosis zielt – hat man Thor als Schatten, der die Energien des „Unbewussten“ repräsentiert, Loki als Narren oder Trickser, Freya als Jungfrau/Anima, Balder als Helden, Heimdall den Alten Krieger/Weisen Mann, Frigg als Erdmutter (ein weiterer Aspekt der Anima) und Odin als All-Vater.

Eine auffällige Eigenschaft dieser Zuordnungen ist, dass es kein Symbol für „böse“ gibt, wie böse von dualistischen Religionen, wie der, die vom Nazarener abstammt, verstanden wird. In der nordischen Tradition ist Loki niemals „böse“ - wenngleich er sowohl durch seine Tricks als auch seine Verwandlungen Desaster verursacht. Auf vielfältige Weise ist er jene Kraft, die Wyrd bringt, und Wyrd ist ein Aspekt der fundamentalen Natur des Kosmos, ausgedrückt als Veränderung/Wechsel.

Böse, wie es durch die Philosophie des Nazareners verstanden, und durch die organisierte Kirche gelehrt wird, könnte als Fehl-Repräsentation der Natur des Kosmos bezeichnet werden – eine Projektion einer abstrakten Idee auf den Kosmos, während die nordische Tradition mit ihrer Akzeptanz des Fatalismus des Wandels eine viel realistischere Porträtierung dieser Kräfte ist, repräsentiert durch Mythen, die die Werke des Kosmos behandeln.
 
Von den sieben Sphären des Baum des Wyrd kann gesagt werden, dass sie die sieben fundamentalen Kräfte des Kosmos repräsentieren, und folglich ein Studium und Verstehen der Natur dieser Kräfte selbst. Dafür ist es notwendig zu verstehen, wie sich das Individuum zu den Göttern und Göttinnen verhält – ebenso wie die wahre Bedeutung von Wyrd zu verstehen – da dieses Verhältnis sehr verschieden von dem Verhältnis zwischen dem Individuum und kosmischen/magischen Kräften ist, wie es von „traditionellen“ magischen/religiösen Systemen angenommen und uns seit Jahrhunderten durch nazarenische Indoktrination aufgezwungen wird, ist.

Im Wesentlichen war das Verhältnis, das einst zwischen unseren Vorfahren und diesen Göttern existierte, eines von Akzeptanz und Staunen. Nicht Furcht noch Liebe, und schon gar nicht unkritische Verehrung oder Unterwürfigkeit. Die Götter reflektieren die natürliche Ordnung des Kosmos und können keine „Wunder“ in dem Sinne, wie der Begriff gewöhnlich verstanden wird, wirken. Sie sind „Himmelsgötter“, die dem Leben eines Individuums durch ihre ständig gefühlte Präsenz eine extra Dimension hinzufügen, und deren Attitüden, Verhältnisse, Kämpfe und Liebschaften den Beginn eines Verstehens in Bezug auf Männer und Frauen selbst ermöglichen.

Die Götter werden verehrt und angerufen, weil sie einfach als größere Erweiterungen unserer selbst betrachtet wurden – in Kämpfen, Wissen, Liebe, Freundschaften  und Feindschaften. In vieler Hinsicht waren sie abwesende Freunde und Gefährten (und manchmal Feinde), die einem zu Hilfe kommen würden, wenn dies sein Wyrd wäre. Diese Einstellung ist den organisierten Religionen fremd, die auf Eifer und Konzepten von Sünde/Rechtschaffenheit basieren, und ist die Grundlage des modernen Heidentums. Erfreulicherweise wird es wieder entdeckt.

Von zentraler Bedeutung für dieses Verhältnis mit den Göttern  - und folglich bedeutend für das Leben des Individuums – ist Wyrd. Wyrd ist nicht einfach „Schicksal“, so wie dieser Begriff verstanden wird – es ist das Verhältnis, das jedes Individuum zu diesen Kräften unterhält, die unser Leben bestimmen, und die wir mit vielfältigen Mitteln symbolisieren. Dieses Verhältnis hängt zu einem großen Teil davon ab, was das Individuum tut – einfach ausgedrückt, könnte ein Individuum Kraft seines Willens das Wyrd verstärken, das zu seinem Leben gehört, danach strebend, die Götter nachzuahmen und Ruhm zu erlangen. Solch Streben könnte zu Grunde richten (die Griechen, deren Religion die gleichen vitalen Elemente besaß, nannten solche Zerstörung „hubris“) - aber es war dieses Streben sowohl nach als auch gegen Wyrd, dass Intensität ins Leben brachte, und beispielsweise die Energie der Nordmänner in Eroberung, Handel und dem Leben selbst zur Folge hatte.

Ruhm in diesem Leben – und dem nächsten – kam von dem Streben, und heidnische Zeremonien waren ein konkretes Band zwischen dem Individuum, den Göttern und Wyrd. Zeremonien waren ein Mittel zu Erhöhung des Lebens und mögen, oder mögen nicht, dem Selbst-Verstehen helfen: sie inspirierten, oder verliehen „Geist“. Es ist diese Inspiration, die aus der Akzeptanz des Prinzips her rührt, das wenn ein Individuum genügend strebt, und sein Wyrd sich dadurch vergrößert, dass dieses Individuum dann von den Göttern „begünstigt“ ist, welche unsere Gesellschaft größtenteils verloren hat – durch die Isolation moderner Technologie und ihrer organisierten Strukturen, aber hauptsächlich durch die Dominanz von Ideen über Instinkt.

Alle echte Magie und echtes Heidentum sollten den Instinkt wiederherstellen. Heute existiert zu viel trockenes, abstraktes Denken, und nicht genug Geist, der berauscht und uns wie Götter werden lässt – fähig, in einem Augenblick der Einsicht unser Wyrd zu begreifen und uns zu Taten inspirierend, die nur Götter tun. Im hohen Alter ist noch Zeit genug für Weisheit.

Die nordischen Götter repräsentieren diesen „prometheischen“ Geist und sind ein Pfad zurück (oder vor) zu einer Intensität des Lebens, die die meisten vergessen haben. Magie, Riten des Chaos, Heidentum, Wicca, oder was auch immer, sollten sich um uns als Individuen, die im Leben schwelgen und jenen, die sich fürchten, trotzen, drehen.