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Die Alchemie der Magie

Magie ist kein Objekt für akademische Studien – sie ist grundsätzlich praktisch. Sie erfordert außerdem Selbst-Disziplin und Training – die Aneignung von Fähigkeiten. Keine Bücher oder Lehrer können Magie lehren, sie kann ausschließlich durch Praxis erlernt werden, mittels der Erfahrungen aus Versuch und Irrtum. Alles was Bücher und Lehrer bestenfalls tun können ist leiten: in Richtung der relevanten Erfahrungen, und ein paar Erklärungen für Ursache, Wirkung und das was jenseits des Kausalen liegt, anzubieten.

Auch wird sture Selbstentfaltung hauptsächlich kontraproduktiv sein. Was vom Novizen und Initiaten gefordert wird, ist hauptsächlich Selbstdisziplin und jene Einsicht, die durch Erfolg und Misserfolg erlangt wird. Das moderne Leben hat diese Dinge jedoch schwierig gemacht, es ist leicht starrsinnig zu sein, den Komfort modernen Lebens und den Mangel an Selbstdisziplin zu akzeptieren, genau wie die modernen „Methoden“ und „Ideen“ zu „Magie“ den Anschein erwecken, dass Verstehen und Erlangen in der Magie einfach sei: alles was man braucht sind die relevanten Bücher/Grad-Handbücher/Informationen und ein chaotischer Geist/Attitüde/Angang.

Es gab nie und gibt keinen Ersatz für das Lernen aus Erfahrung. Das wirkliche Erlernen der Magie geschieht allein durch den Novizen, wobei Gruppenarbeit und Gruppenerfahrungen lediglich das Lernen festigen und die Techniken, die benutzten Formen erweitern. Dies rührt daher, dass echte Magie intern ist – eine Alchemie der psychischen Veränderung. Es sind die Techniken, die extern sind. Zum Beispiel ist Sexualmagie eine Technik der Magie – sie ist nicht Magie oder „magisch“ - genau wie ein zeremonielles Ritual eine Technik ist. Alle Techniken sind ruhende Formen – sie müssen angeregt, zum Leben erweckt werden: ihnen muss der „Atem des Lebens“ eingeflößt werden. Diese Belebung ist Magie und ihr Erfolg ist individuell, das heißt, er hängt nicht von der Form ab – von exakten Details der Durchführung oder Technik. Manchmal wird diese Belebung geteilt – z.B. zwischen zwei Individuen, die einen sexuellen Ritus durchführen, oder einer Gruppe, die sich zu einer Zeremonie versammelt.

Zu lange wurden die Techniken als magisch angesehen, was zu einem kompletten Missverständnis der Magie geführt hat – wie zum Beispiel bei Crowley und seinen Nachfolgern und bei Anhängern heutiger „Chaos“ Techniken. Magie ist jenseits von Technik – Techniken und Formen vergegenwärtigen die Magie lediglich im Kausalen, und um auf magische Energien zuzugreifen ist Können erforderlich. Manchmal ist dieses Können intuitiv – eine angeborene Gabe – aber meistens muss es kultiviert, erlernt, erlangt werden. Die Fähigkeit ist eine interne, und kann mit einer Geisteshaltung verglichen werden. Es ist ein „Fließen mit“ magischen Energien, so wie sie sind, nicht ein losgelöster, indirekter Angang, eine chaotische Akzeptanz, sondern eine fein balancierte Ausrichtung; kein Verlust bewusster Wahrnehmung/Verstehens sondern eine neue Art der Aufmerksamkeit. Es ist wie beim Langstreckenlauf: angeborene Begabung kann hilfreich sein, aber Training ist erforderlich, Bewusstsein der Grenzen durch frühere Erfahrungen, Selbstdisziplin, um die Distanz in der gesetzten Zeit zu bewältigen – und dann das Laufen das, wenn es erfolgreich ist, ein „Fließen von“ Körper und Geist ist...

In der Magie bringt das Verlangen die Energie dazu, sich in der gewählten Form/Technik zu vergegenwärtigen. Dieses verlangen ist gewöhnlich gerichtet – das heißt, es hat ein kausales Ziel (wie zum Beispiel in der externen Magie). Die gewählte Form oder Technik kann zu einem gewissen Grad die Produktion magischer Energien stimulieren, doch es liegt beim Individuum, das Tor (oder den Nexion) aufzustoßen und die Energien zu lenken, die dahinter liegen. Was die Formen und Techniken am Häufigsten tun, ist den Nexion real und zugänglich erscheinen zu lassen – wodurch sie oft im Individuum das Bewusstsein „provozieren“, das nötig ist, um den Nexion zu öffnen und die Energien zu vergegenwärtigen. Daher benötigen zeremonielle Rituale (oder jedes Ritual, bei dem mehr als zwei präsent und beteiligt sind) Führung und Kontrolle – der Bilder/Formen/Muster, die angerufen werden und der Vergegenwärtigung derselben im Kausalen. Diese Ausrichtung findet auf Grund der Natur der Energien immer zum Kausalen statt (das heißt, in Richtung eines spezifischen Zieles oder in die Psyche eines Individuums oder von Individuen) – da ist immer ein „Fließen“. Wenn keine Kontrolle ausgeübt wird (oder die Richtung durcheinander gerät, weil mehr als einer versucht, den Fluss zu kontrollieren – vielleicht unabsichtlich) geschieht (und muss geschehen) dennoch kausale Veränderung, nur in einer Weise, die möglicherweise von den Beteiligten nicht vorgesehen war – das passiert gewöhnlich, wenn ein paar Individuen sich versammeln um einen Akt der Magie zu versuchen – und resultiert häufig in psychischer Störung einer oder mehrerer der Personen.

Die Alchemie der Magie liegt im Erlernen dieser Kontrolle, der Fähigkeit, diese Energien anzuzapfen und der Fähigkeit, Veränderungen durch das Vergegenwärtigen des Angezapften zu produzieren: intern (in der eigenen Psyche), extern (in Anderen und den Dingen des täglichen Lebens) und äonisch (innerhalb und jenseits der Begrenzungen der Äonik). Daher findet ein Lernen der verschiedenen Arten magischer Energien statt (die dadurch unterschieden werden können, wie sie sich im Kausalen vergegenwärtigen) – und ihres Gebrauchs. Kurz gefasst, die Erlangung individuellen Geschicks und Verstehens. Um dies zu erreichen gibt es gewisse Methoden – bestimmte Anleitungen, denen gefolgt werden kann. Dies ist ein ernsthaftes Engagement – kein Hobby, keine Versammlung Gleichgesinnter als ob man mal eben spaßeshalber und um das Ego zu füttern, ins „Okkulte“ abtaucht, und sicherlich nicht zum Spaß oder zur Unterhaltung. Es gibt eine Intensität, Selbstdisziplin, ja manchmal auch Härte – und jene Freuden, die jenseits normaler Sterblicher liegen. Kurz, neue Arten zu leben.

Auch wenn die Alchemie der Magie nun (durch solche Werke wie „Naos“) jedem zugänglich ist, ist es unwahrscheinlich, dass viele ihren gegenwärtigen und leichten Lebenswegen zu Gunsten der Herausforderung abschwören werden.


 
 

 
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