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Satanismus – Vielfalt und Entwicklung


Die Gründung der Church of Satan in den sechziger Jahren des letzten Jahrhunderts und die Schriften des Gründers dieser Kirche (speziell „The Satanic Bible“) stellten nur eine weitere Stufe der Entwicklung des Satanismus dar – eine neue Divergenz die sich, wenn auch nicht auf alle, doch auf einige Aspekte dieser speziellen magischen und praktischen Weltsicht stützt.

Satanismus existierte in vielen abweichenden Formen schon vor der Church of Satan, sowohl in der Alten als auch in der Neuen Welt – und diese Formen existieren ebenso wie die neuen unabhängig von dieser Kirche und den Schriften ihres Gründers weiter. Daher machen sich Gruppen und Individuen, die behaupten, die Church of Satan (in ihrer gegenwärtigen oder ihrer ursprünglichen Form) repräsentiere die einzig wahre Form des Satanismus, historisch gesehen, etwas vor.

Solche Behauptungen basieren für gewöhnlich auf einer oder mehreren der folgenden: a) Der Gründer der Church of Satan läutete ein „neues satanisches“ Zeitalter ein, und dieser Umstand macht alle anderen Formen des Satanismus ungültig/überflüssig; b) irgendeine suprapersonelle Wesenheit erteilte ein Mandat; c) es existiert eine „reine“ Tradition, die von der gegenwärtig existierenden Gruppe repräsentiert wird.

Im Grunde unterteilen sich jene, die behaupten, „echte“ Satanisten zu sein, in drei Gruppen: die Church of Satan, der Temple of Set und einige kleine europäische Gruppen (sowohl die Church of Satan (CoS) als auch der Temple of Set (ToS) sind amerikanischen Ursprungs), zu denen auch der ONA gehört. Von Zeit zu Zeit tauchen andere Gruppen auf, doch sind sie fast ausnahmslos Splittergruppen/Ableger von CoS oder ToS (z.B. ist der Werewolf Order ein Ableger der CoS). Die CoS akzeptiert a) und b), und hängt mit einer quasi religiösen Einstellung an ihrem Gründer und seiner „Bibel“ - beispielsweise sagte ein Anhänger dieser Kirche (Black Flame, Vol II Number II): „Wir haben eine Bibel, wir haben eine Kirche. Wir haben eine Tradition... Wir haben einen Hohepriester.“ Der ToS akzeptiert a) und c) – das Mandat stammt vom Fürsten der Finsternis in Gestalt von Set und wurde den Sterblichen im „Book of Coming Forth By Night“ enthüllt. Darüber hinaus nimmt der ToS an, dass er das Werk weiterführt, das die frühe CoS begonnen hat, das heißt, sie repräsentieren die ursprüngliche und „reine“ Kirche. In diesem Sinne ist der ToS eine Abspaltung von der Cos.

Daher rührt der Konflikt zwischen CoS und ToS – beide behaupten, eine wahre Form des Satanismus zu sein, und beide datieren das neue satanische Zeitalter auf die selbe Weise – 1990 ev ist beispielsweise XXV A.A. Beide Gruppen besitzen eine organisatorische Struktur (auch wenn der ToS behauptet, die CoS besitze in ihrer gegenwärtigen Form keine Struktur mehr) und beide haben Lehren und einen Führer.

Von den Mitgliedern wird erwartet, dass sie sowohl die Lehren, als auch die Führer respektieren. Beide werben aktiv Mitglieder und beide engagieren sich in öffentlichen/medialen Bekenntnissen. Der ToS hofft, Satanismus zu einer legitimierten Religion zu machen.

 Soweit es die grundlegenden Lehren betrifft, unterscheiden sich CoS und ToS – denn obwohl der ToS die frühen Arbeiten von LaVey akzeptiert (daher gibt es ein klein wenig bekanntes Terrain), unterscheidet er sich ziemlich signifikant darin, was aus diesen Werken gemacht wurde. Es gibt z.B. im ToS eine Betonung des „höheren Selbst“ gegenüber der Glorifizierung des Ego, wie sie ein Merkmal der CoS ist, und ein Wegbewegen von einer starren Ideologie und einer kirchenartigen Mentalität. Nichtsdestotrotz verlangt der ToS eine gewisse Verpflichtung (Unterwerfung würden einige Gegner sagen) gegenüber Lehren und Autorität des Tempels, und während diese nicht so ausgeprägt ist wie bei der CoS, existiert sie dennoch. Die Zankereien zwischen CoS und ToS fördern diese Verpflichtung – auf beiden Seiten – und machen sie zu einem gewissen Grad notwendig. Nachdem sowohl CoS als auch ToS etabliert sind und Medienprofile haben, ist es für beide nötig, ständig ihre Identität und Mission zu bestätigen – und dies hat zur Bildung von Persönlichkeitskulten geführt (offensichtlicher bei der CoS, wobei Aquino durchaus die Rolle als „Stimme von Set“ akzeptiert).

Beide befassen sich – wenn auch auf verschiedene Weise – mit der Bewahrung dessen, was sie als authentische Tradition des Satanismus betrachten, und beide tendieren dazu, feindselig gegenüber Jenen außerhalb der mutmaßlichen Tradition zu sein, im Besonderen, wenn Personen und Gruppen Ansichten äußern, die ihren eigenen Lehren und Grundsätzen widersprechen. Beide wollen das, was sie als ihre Reputation betrachten, schützen, und dies führt zu Misstrauen hinsichtlich anderer Gruppen und Individuen, die abweichende Formen des Satanismus äußern – ebenso wie es zuweilen zu Polemik/Desinformation gegenüber diesen Gruppen und Individuen führt, um diese Reputation auf Kosten anderer zu verbessern.

All dies ist nicht überraschend, betrachtet man die Form von CoS und ToS und die von beiden aufgestellten Behauptungen hinsichtlich der Autorität und Authentizität ihrer Version des Satanismus – tatsächlich folgt alles Weitere ganz natürlich daraus.

Im Gegensatz dazu befasst sich z.B. der ONA nicht mit einer gedachten (oder gar realen) Geschichte, was die eigene Tradition und Lehren betrifft – oder mit dem Versuch, eine Autorität (entweder suprapersonal oder via irgendeiner Neu-Äonischen Manifestation) für diese Tradition und Lehren zu beanspruchen.

Im Grunde wurden einige ONA Lehren von einsiedlerischen Adepten weitergereicht und einige wurden erst kürzlich entwickelt. Was daran „historisch“ ist mag oder mag nicht von Wert oder von Interesse für Aspiranten sein – tatsächlich wurden manche der weitergegebenen Lehren abgelöst und andere sind nur Mystifikationen. Was existiert ist zugänglich gemacht worden, Relevanz oder Irrelevanz bleibt der individuellen Beurteilung überlassen. Was jedoch wichtig ist, ist das der zentrale Kern (jüngst kodifiziert und im kreativen Sinne erweitert) einen praktischen Pfad zur Adeptschaft und darüber hinaus bietet. (Dieser Pfad wird in den Büchern „Naos“, „The Black Book of Satan“, im Deofel Quartett und dem StarGame erklärt). Die Betonung liegt auf dem Praktischen – er ist frei von Mystifikationen, beinhaltet keine theoretischen Diskussionen, erfordert keine Akzeptanz eines Dogmas, einer Ideologie oder organisierten Struktur. Genauso wenig ist die Unterwerfung unter irgendein Individuum oder eine Autorität erforderlich. Er befasst sich nicht mit dem Konvertieren anderer, Reputationen oder der Herstellung eines angenehmen sozialen Klimas für seine Anhänger. Es handelt sich schlicht um ein sehr einfaches und praktisches Set magischer Arbeiten, die jeder für sich selbst durchführen kann. Es braucht nicht durch einen Meister oder Führer interpretiert zu werden. Es ist einfach: verfügbar für jene, die seine Methoden nutzen wollen.

Das soll nicht heißen, dass dieser Pfad – der siebenfältige sinistre Weg – einfach ist. Im Gegenteil. Es braucht Zeit und Mühe und erfordert ein bestimmtes Verlangen, bis zum Ende zu folgen. Das Folgen dieses Weges hängt ausschließlich vom Individuum ab.

Die gegenwärtige Kodifizierung der Essenz der ONA Lehren in den „siebenfältigen sinistren Weg“ ist ein Ergebnis des natürlichen Prozesses der Evolution mit dem LHP – in diesem speziellen Fall das Resultat der kreativen Inspiration eines Individuums über die letzten Jahrzehnte hinweg. Dieser Prozess der Verfeinerung und Erweiterung wird sich fortsetzen, während weitere Einsichten gewonnen werden, und neue Kreativität – die Grenzen ausdehnend – von anderen Individuen kommt, die Adepten des LHP sind. Folglich ist die gegenwärtige Form dieser Lehren (wie z.B. in „Naos“ dargestellt) selbst nur eine Stufe zwischen der historischen Vergangenheit und den Möglichkeiten der Zukunft: als solche ist diese Form weder heilig noch Subjekt eifersüchtiger Bewachung. Es handelt sich einfach um eine Arbeitsmethode, die Resultate produziert. Daran ist nichts zauberhaftes, es gibt keine Glorifizierung der Person, die für die gegenwärtige Form verantwortlich ist, keine Abhängigkeit von historische Traditionen, wie es auch kein Dogma in diesem Zusammenhang geben kann. Der Weg existiert einfach, um jene anzuleiten, die daran interessiert sein mögen, seinen Methoden zu folgen.

Es liegt bei jedem am LHP und Satanismus interessierten Individuum zu entscheiden, welchem Weg er/sie folgt. Einige führen zur Adeptschaft und darüber hinaus – einige lediglich zur Unterwerfung unter jemandes Ego und Mythologie.





 
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